Gemüsebrühe mit Zwiebackklößen

Eines meiner absoluten Leibgerichte! Gesund, gut vorzubereiten und extrem lecker, wenn ihr mich fragt… Am Anfang klang insbesondere die Brühe für mich ziemlich … naja, kompliziert oder etwas einschüchternd, aber das ist Quatsch.

Einen Versuch ist es allemal wert, denn es ist nicht nur gesund, es macht auch irgendwie Freude, selbst so etwas tolles zu „erschaffen“.

Kommen wir zu den Rezepten.

Die Brühe

Hier gibt es natürlich von allen Seiten Rezepte und darum will ich das gar nicht weiter ausführen als nötig. Ich nehme

  • eine Stange Lauch,
  • eine viertel Knolle Sellerie,
  • eine handvoll Möhren,
  • 2 Zwiebeln
  • 2 Knoblauchzehen
  • 2 Gewürznelken
  • 10 Pfefferkörner
  • 2 Lorbeerblätter
  • 2 Liter kaltes Wasser

Die halben Zwiebeln ohne Öl kurz anschmoren in einem großen Topf. Das darf ruhig richtig dunkel werden. Dann etwas Öl dazu, Knobis und Gemüse in Würfelchen (2 x 2 x 2 cm) rein, anschwitzen.

Nach einer Weile gieße ich dann 2 Liter kaltes (!) Wasser in den Topf und warte, bis dieses kurz aufkocht. Das dauert durchaus eine Weile. Währenddessen suche ich schonmal die Gewürze zusammen und lege sie griffbereit.

Gemüsebrühe
Die Gemüsebrühe im Anfangsstadium. Hier wurden grad 2l kaltes Wasser aufgegossen.

Wenn das Wasser kocht, drehe ich die Hitze deutlich zurück, so dass es nur noch leicht köchelt. Dabei ensteht eine Art Schaum aus denaturiertem Eiweiß. Den schöpfe ich so gut es geht ab und gebe dann die Gewürze hinzu, rühre alles noch einmal durch und dann kann man theoretisch weggehen. Ich schaue alle halbe Stunde mal nach, ob es noch köchelt, ansonsten reguliere ich die Temperatur nach.

Nach ungefähr zwei Stunden stelle ich ein Sieb in einen sauberen Topf, nehme mit einer Schöpfkelle erstmal das Gemüse weitestgehend raus, lege es in das Sieb und quetsche es ein bisschen aus, zB mit einem sauberen Löffel (bei einem kleinen Sieb muss das in zwei oder drei Etappen passieren). Dann wird die restliche Brühe durch das Sieb gegossen und im Topf aufgefangen. Das Gemüse wandert in den Müll, denn es schmeckt ungefähr wie nasses Papier. Ich hab es probiert.

Die Brühe kann nun zum Einen noch reduziert werden. Dazu lässt man sie einfach vor sich hin köcheln, jetzt bei offenem Deckel, bis etwa 1/3 des Wassers zu Dampf geworden ist. Sie schmeckt dadurch intensiver und kann auch ganz für sich allein verzehrt werden.

Meistens lasse ich die Brühe jedoch abkühlen. Wenn das geschehen ist, gieße ich etwa 400g bzw. 400ml in verschiedene Gefäße oder Gefrierbeutel (Hier den Beutel aber in einer Schüssel oder großen Tasse stabilisieren) und friere das ein. 400ml haben sich für mich als gute Portionsgröße ergeben und wenn man die Brühe fertig hat, wurden aus den 2 Litern Wasser etwa 1,6 Liter Brühe – also 4 Portionen.

Diese friere ich ein und wenn ich sie brauche, kommt der leckere Einsblock in einen Topf, die übrigen Zutaten dazu und dann darf genossen werden.

400ml gefrorene Brühe
400ml gefrorene Brühe – ungefähr ausreichend für eine Person mit knurrendem Magen.

Damit steht die Brühe – als Basis für das fertige Süppchen.

Auf dem Weg zur fertigen Mahlzeit kommt nun der „komplizierteste“ Schritt:

Die Gemüseeinlage.

Man nimmt Gemüse und kocht es in der Brühe gar. Damit war nicht zu rechnen, vermute ich. Das darf gern Tiefkühlgemüse sein. Ich nehme sehr gern Rosenkohl und dazu das Suppengemüse aus der Tüte, Möhren, Erbsen, Mais – völlig egal. Es muss einem nur schmecken.

TK-Gemüse für eine gute Portion
TK-Gemüse für eine gute Portion

Kommen wir zum eigentlich spannenden Teil – den Zwiebackklößen.

Dieses Rezept scheint aus meiner Region, der Magdeburger Börde, zu stammen – jedenfalls ist es nicht sehr bekannt und deswegen schreibe ich diesen Text. Ich habe das Zeug schon als Kind wirklich geliebt und meine Mutter war glücklich, dass ich nebenbei auch noch die gesunde Brühe mit Gemüseeinlage aß. Möhren, Erbsen, Rosenkohl – völlig egal, solang die Klöße dabei waren.

Kommen wir zu den Zutaten:

Meine Variation des ursprünglichen Rezeptes führt uns in die schwedische Exklave, die man in jeder größeren Stadt findet – IKEA. (Wer kein IKEA in der Nähe hat, nimmt einfach normalen Zwieback)

In der Lebensmittelabteilung findet ihr die wundervollen SKORPOR KARDEMUMMA für 1€ pro Packung.

 

Also geht es mit denen los:

  • 1 Packung (250g) SKORPOR KARDEMUMMA
  • 4 Eier
  • 125g Butter
  • Muskat
  • Salz

Die Skorpor werden in der Küchenmaschine zu Mehl verarbeitet. Ich finde es ok, wenn da auch größere Stückchen übrig bleiben, aber größer als 2 bis 3mm sollten die nicht sein. Dazu gebe ich die Eier und die geschmolzene Butter. Wenn ihr die Butter in der Mikrowelle schmelzt, dann macht das bei einer niedrigen Wattzahl und lieber etwas langsamer. Muskat reibe ich dann auch gleich dazu und zum Abschluss gibt es eine Prise Salz.

Das ganze wird dann ordentlich durchgemischt bis ein fester Teig ensteht.

Aus diesem forme ich nun Klöße mit etwa 3 bis 4 cm Durchmesser. Aus der Menge im Rezept entstehen etwa 8 Klöße, was bei mir für zwei ordentliche Portionen reicht. Die Klöße können dabei auch ruhig schön fest geformt werden, da sie sonst schnell auseinanderfallen im Wasser.

 

4 Klöße
4 Klöße, genug für eine Portion. Die hier haben etwa 5cm Durchmesser.

Die Klöße werden dann in leicht sprudelndem Wasser gar gezogen. Das dauert etwa 10 Minuten. Ich schneide meist nach dieser Zeit einen durch und schaue nach, ob er gar ist. Wenn die Mitte noch dunkler ist, ist das nicht schlimm, wenn man gute, frische Eier verwendet hat. Diese Mitte schmeckt dann besonders lecker.

Klöße aufgeschnitten
Klöße aufgeschnitten. Dieser hier ist komplett durchgegart. Wenn die Mitte etwas dunkler ist, ist das auch nicht verkehrt…

Wenn die Klöße fertig sind, kommen sie kurz nach dem Gemüse, das ich in der Regel im Tiefkühler habe (Suppengemüse aus der Tüte, Rosenkohl, was man grad da hat) in die Suppe und werden nochmal erwärmt.

Nun ist das ganze fertig und darf serviert werden.

Suppe
Das Resultat – meine sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehr sehrsehr sehr sehr sehr leckere Gemüsesuppe.

 

VORRATSVARIANTE: Die Klöße kann man ganz großartig einfrieren. Ich mache dann drei Tüten Skorpor, rechne die restlichen Zutaten hoch und habe genug für etwa 6 sehr sättigende Mahlzeiten.

Im Grunde ist es das perfekte Essen, wenn man schnell was Gesundes und sättigendes haben will. Man muss nur die drei Komponenten – Brühe, Gemüse, Klöße zusammen aufkochen und wieder aufwärmen und dann kann es losgehen.

Ich hoffe, ich habe es nicht zu kompliziert erklärt, insbesondere die Brühe hat mich anfangs abgeschreckt, aber es ist nach einem oder zwei Versuchen echt ein Klacks.

Wenn es euch schmeckt, sagt mir Bescheid, wenn ihr es ausprobiert habt. Wenn nicht, dann behaltet es für euch. 😉

 

Werbeanzeigen

– Ballade vom Besen, der kein Stuhl war, und dessen Frau, die dem ganzen Problem eine „Leck mich am Arsch“ – Einstellung entgegenbrachte, was sie momentan wohl bereuen wird –

Ein Besen kommt nach Haus´ gerannt
und sagt zu seiner Frau:
„Oh Scheiße! Weib, ich bin kein Stuhl!“
Drauf sagt die Frau „Genau!“

Der Besen rennt nun kreuz und quer
und plappert wirr nur vor sich her:
„Oh man, oh man, ich bin ein Besen,
bin niemals nicht kein Stuhl gewesen“

Die Frau, ganz nebenbei ein Hocker,
die sieht die ganze Sache locker:
„Ist doch Wurscht, du Arschgesicht
auch deine Borsten stör´n mich nicht!

Statt rumzurennen und zu flennen
sollt’st lieber du ne Runde pennen
und nicht mehr auf den Sack mir gehen!“
und lässt ihn stehen, ganz alleen.

Nu steht er da, noch immer Besen,
nur Stiel und Borsten und nix weiter,
drum flitzt er zu dem Tischler schnelle,
der lacht und macht ihn flugs zur Leiter.

Die Frau findet das gar nicht gut,
hat Wut und Blut steigt bis zum Hut.
Da platzt´s heraus „Was bist du dumm!“
dann fällt sie um, und liegt nun rum.

Da kullert sie und motzt und mault
und mault und motzt und Leiter glotzt.
„Das hast´ davon, du doofes Weib
ich geh zum Saufen in die Kneip´!“

und die Moral von der Geschicht
v´leicht find´st du sie, ich find sie nicht…

März 2003

Ständig alles hinterfragen

Man muss ständig kritisch sein, alles hinterfragen! Aber stimmt das denn überhaupt oder soll mir das Hinterfragen nicht vielleicht von Lobbyisten untergeschoben werden? Vielleicht möchte ich die Dinge ja lieber UNTERFRAGEN!!!???

Aber Moment: Was. wenn. die. Lobbyisten. nur. wollen. Komma. dass. ich. Dinge. zu. unterfragen. beginne!? Dann hätten sie ja freie Bahn beim Hinterfragen! Die feinen Herrschaften! Aber wenn das Hinterfragen nun, wie eingangs befürchtet, ein Ablenkungsmanöver ist und alle relevanten Fakten ganz einfach von vorn, auf den ersten Blick zugänglich sind? Dann würde ich mit meiner tollen Hinterfragerei ja wertvolle Zeit verschwenden! Ganz schön gewitzt, diese Typen.

nach dem Vorspiel mit Getier das noch sähnt (2. Szene / 2. Fall)

(2003)

Prolog im Gewimmel:

Die Zeit schrie mir ihre Tendenzen entgegen. Lachend obdarbte ich ihrer, doch ein Harren schien einzig dem Erhabenen das feilbieten zu können, was es benötigte, um dem Grenzenlosen zu entfleuchen. Klimaanlage ­ doch schwebt es hienieden! Auf gold ́nen Sohlen besagt es den Umschwung ­ zu pflegen das „wessen“ sei mein Begehr! Und komme ein Ende des ewigen Falles, so schwindet der Besitz, gleichwohl des Tapirs „s“ und sein Gesähne verhallt ungehört zwischen Schenkeln.

­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­

Ein Raum in Holz, auf den Boden ist in Kreide ein Stück Kreide gezeichnet worden, welches dort ist. Daneben ein Stück Kreide, welches nicht so recht zur Kreidezeichnung passen möchte. Zwei Personen differenten Geschlechts sitzen Rücken an Rücken auf einem sympathischen Tisch, strecken ihre Arme aus und greifen nach ihren Worten, oft glücklos.

„Grün! ich grüne; du grünst; er, sie, es grünt; wir grünen, ihr grünt, sie ­ auch“

Die Frau interveniert, in eine Plastiktüte sprechend: „Stop das! Stop das Grünen, es beißt sich ­ so nimm hin die ungedachte Schiene!“

Der Tapir trabt zu Tanzmusik in schwerfälligen Schritten, während Mann und Frau mit ihren Extremitäten Kreise beschreiben. Die Frau, Blöße darbietend, erzählt von weiland gewonnen Erosionen ihrer verdachten Bestiarien, welche vergilbt das Leiden der Tapire Skandinaviens zur Zeit der großen „Rote­Beete-Prohibition“ anno viertel nach 28 Uhr zu schildern wissen. Das vergralgende Tier entledigt sich eines Drangs und schreitet rückwärts eine Rampe hinauf, zu besehen ob dort oben Zugspitze. Der Mann muliert einige Termini aus dem Bereich der Molekularbiologie for und erhält Stimulation seitens der eben durch Artikulation in Schwingung versetzten Atome.

Er deutet ohne die Arme zu benutzen in eine Richtung und nutzt eine Kreisbewegung um sich partiell zu wärmen. Die Frau nimmt dies unter heftiger Teilnahmslosigkeit hin. Der auf diese Art an seinem Handeln nicht Ungehinderte versucht, seinen Augapfel mit ihm angewachsenen Nägel zu entweihen. Der in der Frau angebrachte Mantel regnet hernieder, wobei er absorbierend sich bläht und schämt. Den Augapfel einbüßend denkt der Mann an den Tapir, den hinterrücks sich unverständlich artikulierenden, einst hinzutretenden Tapir und das Hingradestehen beim Berechnen der dreiundzwanzigsten Potenz von Pi. Bewegungen rhythmisierend, beginnt er, ungekünstelte Kunst ins Nichts zu verweilen und buchstabiert dabei die Namen totgesagter Hinterhofstühle, grammatikalischer Machart. Dieses arge Betreiben verleitet die physisch sich Verfügbarmachende zu interrogativen interjektion, wobei die Anaphern vermeidet.

Beide lauschen dem Wachstum, der Tapir drückt seinen Kopf seitlich auf den Boden um Kondensation zu beobachten.

Die Deutung des Mannes verringert sich umgekehrt potentiell zur Verherrlichung des jüngst imitierten Käselaibs.

Die Frau erhebt, der Mann verfestigt, der Tapir bewegt ­ sich.

Sie stehen Entsagungen flüsternd auf und drücken einander die Köpfe an die Schultern, rückwärts lachend. Sie verharren und beendigen dies woraufhin sie sich an die verfügbaren Körperauswüchse greifen und schreiten, sich seitlich hin­ und herwiegend von hinnen.

Sie gehen zurück, setzen sich und reden über des Tapirs Salon und dessen Eröffnung vor einer gewissen Zeit, welche einst unbeobachtet begleitet war von Kreidezeichnungsexzessen hebräischer Art. Sie gedenken der Nase der Dame, welche sich an ebendiese greift um lauthals zu tröten.

„Ich bin ein Elefant! Ergebt euch, ihr Tapirsbrutanhänger samt Günstlingen!“

Unbeeindruckt von dieser Exhibition steht der Mann auf, geht auf den Tapir zu, ergreift dessen Schwanz und wirft ihn der Frau gegen den Kopf. Der Tapir taumelt tapsend zwischen die Beine der nackten Elefantin, blickt und geht. Mann und Frau, nunmehr ihrer Bedürfnisse Herr und Dame machen Anstalten ­ und bewohnen diese; ­beliebige Größen schätzend. Der Tapir spielt das lustige Bratwurstspiel und beginnt langsam aber sicher.

­­­­­­­­­­­­­­­­­

10 Minuten Später auf Sardinien.

Drei Männer kaufen eine Zeitung. Einer der Drei bezahlt sie, auf der Titelseite ist zu lesen: „Tapir! Neue Unruhen in Kapadozien!“ Die Männer schütteln die Köpfe dann die Hände, später das Haar und etwas Kaffee auf ein lackiertes Brett in Omnibusform. Kreidezeichnungen von Kreidestücken sind ironischerweise nirgends zu entdecken.

Schlaf

(2004)

groß und schwer scheint mir die Welt
und weit und friedlich in der Nacht
wenn auf die nahen Wipfel dort
das Mondlicht fällt
so sanft und sacht
als ob es ihren Schlaf bewacht

und still ein Wind sie flüsternd wiegt
schon raschelt leis‘ das Blätterkleid
doch ist’s ein träumend Seufzen nur
und schützend liegt
die Dunkelheit
und schenkt den Träumern Einsamkeit

Szene mit Vorspiel und Getier das sähnt

(2002)

Mann und Frau sitzen mit dem Rücken aneinandergelehnt – beide bemerken ihre Herkunft.

Er schreit schweigend quillend: „Gnähh!! Gnähh!!“

Die Frau nimmt einen Besen und haut ihm den Mann, der dabei frohlockt und 13 Tassen trägt, auf den Kopf, was er entgegenbringt.

Er: „Meine Herkunft – sie gerinnt! Und gelädig sind nur Welche!?!?“

Die Frau spricht: „Schön“ – grinst – kauft – „heißt!!!!!!“

Dann ein Satz ohne Prädikat. Entgegnet mit einem Satz ohne Subjekt. Der Mann balanciert den Besen auf einem Finger eines beliebigen Menschen und gerät dabei in Umstände.

Er schreit: „Besen, Beeseen! Krauf!“

Ein Tapir tritt hinzu und tröhnt.

Tapir: „Tröhn, Tröhn“

Die Frau fällt hinter dem Tapir auf die Knie um dessen Anus zu buchstabieren.

Die Frau: „T – A – …“

Der Mann nimmt den Kopf der Frau und drückt ihn in die unheilbringende Richtung.

Der Tapir quarnzt: „Joäh, Joäh“

Die Frau springt auf, stellt sich in eine Ecke, wo sie ein dreiviertel Gefälle besieht.

Der Mann rennt hinter ihr her, bleibt hinter ihr stehen, geht drei Schritte zurück und klatscht, setzt sich und macht. Die Frau erklärt sich und greift sich in den Schritt. Der Tapir rennt hinzu und gwölft vor Dreifaltigkeit. Die Frau springt hoch und landet mehrmals, doch nie ohne zu hoffen. Sie setzt sich auf den Tapir und gewährt dem Mann Einlass.

Dem Akt gesellen sie Gezeter hinzu, welches in Tapirgesähne ausartet.

Beide imitieren beim Weggehen einen Käselaib akustisch und beugen Verben.

Ein Teil des Kreislaufs

Tief unter dir liegt die Stadt. Es sind Kilometer bis zu diesen kleinen, flackernden Lichtpunkten, die sich um den dunklen, sich in zwei Bahnen teilenden und dann wieder zusammenwachsenden, Streifen versammelt haben. Es ist kalt. Furchtbar kalt – und das ist genau das, was sie brauchen, um sich an dich zu klammern wie Eisenspäne,  die von einem Magneten angezogen werden und sich zu Mustern formieren, die das unsichtbare Magnetfeld sichtbar machen.

Je mehr es werden, desto größer wird der Kristall den sie um dich herum bilden und irgendwann ist der Moment gekommen, in dem es dich nicht mehr hält, in dem die Reise hin zu den flackernden Lichtpunkten beginnt. In die immer näher rückende Dunkelheit hinein schwebst du langsam und bedächtig, stetig wachsend. Der Kristall ist nun so groß, dass dein Schweben einem Fallen immer ähnlicher wird. Das dunkle Dröhnen der Winde ist das einzige Geräusch in dieser Höhe doch plötzlich sind da andere, andere, die dir ähneln. Jeder von ihnen sieht etwas anders aus, sie alle wachsen und fallen immer schneller und auch du wächst und fällst den Lichtern entgegen, die immer deutlicher werden, sich immer greller gegen die einbrechende Nacht abheben, sich entlang scheinbar unsichtbarer Bahnen auch bewegen.

Der Kristall hat ein Vielfaches deiner früheren Staubkorngröße erreicht und er ist ein Wunderwerk. Eine Ansammlung gefrorener Wassermoleküle, deren Struktur dir ein Kleid aus Eis geschaffen hat, das als einzigartiger Stern dem Boden entgegensinkt, der von Millionen und Milliarden anderer, einzigartiger Sterne bedeckt ist.

Dort, vor diesem weißen Hintergrund, im schwindenden Licht des Tages, zwischen den Lichtern, sind Menschen. Einer streckt seine Hand aus, die in einem schwarzen Handschuh steckt.

Kristall

 

Thomas